Montag, 17. Juni 2013

Gastblogging - heute: vom BabyBjörn zur Manduca mit Luci

... nein, keine Sorge, mir hat nicht die Sonne das Gehirn verbrannt, und auch Luci ist ganz sicherlich keine Verfechterin unergonomischer Tragehilfen, im Gegenteil.

Da dies hier aber eine umfassende Sammlung von Trageerfahrungen werden soll, dürfen auch die Tragehilfen, die eben nicht wirklich gut geeignet sind, nicht fehlen. Zumal, wenn sie, wie hier, den Beginn zweier wunderbarer Tragebeziehungen markieren. Aber das erzählt Luci nun selber:

"Als ich 2007 mit meiner großen Maus schwanger war, hatte ich mir überlegt, dass so eine Babytrage doch eigentlich sehr praktisch wäre. Die könnte ich immer im Auto dabeihaben, ich hätte das Kind nah bei mir und beim Einkaufen keinen sperrigen MaxiCosi im Wagen stehen. Darum hab ich mir, unbedarft wie ich war, zur Geburt der Maus einen BabyBjörn gewünscht. Oh Mann. Ich wusste einfach überhaupt nix übers Tragen (außer, dass man es kann) und war der Meinung gewesen, es gibt eben Tragetuch oder BabyBjörn. Auf den Gedanken, mal zu recherchieren, bin ich schlicht nicht gekommen. Und so viel Auswahl, wie heute gab es Ende 2007 auch noch nicht. Die Manduca zB folgte erst 2008.

Mit das Erste, was wir nach der Geburt im Krankenhaus von der Physiotherapeutin, die uns im Handling unterwiesen hat, gesagt bekamen, war: „Tragen ist super, aber nur, wenn die Spreiz-Anhock-Stellung gegeben ist!“ Na toll. Da hatte ich nun den BabyBjörn und war mir extrem unsicher, ob ich den überhaupt benutzen kann! (Um es gleich vorweg zu sagen: Wir HABEN im BabyBjörn getragen, aber nicht besonders viel. Zum einen, weil ich kein gutes Gefühl dabei hatte - mein Mann hatte, als die Maus etwas größer war, da weniger Bedenken -, zum anderen, weil ich ihn einfach schrecklich unbequem fand, weil das gesamte Gewicht des Kindes auf meinen Schultern hing ...) Aber dann hab ich zu meinem 30. Geburtstag ein Tragetuch bekommen. Den Klassiker von Didymos, in der allerlängsten Ausführung, sodass auch ich mit meinem Umfang die Wickel-Kreuz-Trage hinbekomme. Die Maus hat sich wohlgefühlt im Tuch, ich hab mich gut gefühlt mit dem Tuch - aber eben nur zu Hause. Auf einem schmutzigen, nassen Parkplatz (die Maus ist im November geboren, ich hab im Dezember Geburtstag) diese UNMENGEN Tuch um mich zu schlingen, ohne die Enden zu durchnässen, war mir schlicht nicht möglich. Vorbinden geht aber nicht mit klassischen Tragetüchern, und auch nicht in der Wickelkreuztrage. Darum hab ich die Große unterwegs fast gar nicht getragen, nur zu Hause, wenn sie Körperkontakt wollte und ich aber den Haushalt machen musste. Bis sie zu groß wurde, denn auf den Rücken binden hab ich mit dem Tuch einfach nicht hinbekommen. Getragen habe ich, bis sie etwa 2,5 Jahre alt war- meine Maus war schon immer recht groß und ich bin eher klein, irgendwann haben mich ihre Beine beim Laufen gestört ;o) Von der Möglichkeit einer Trageberatung hatte ich nie etwas gehört und in meinem Umfeld hat niemand sein Kind im TT auf dem Rücken getragen, der mir da den ultimativen Trick hätte zeigen können.

Und dann, 2010, wurde ich wieder schwanger. In der Zwischenzeit hatte ich mich mehr mit dem Tragen beschäftigt, zwei Freundinnen von mir schworen auf den ErgoCarrier - und ich hatte ein paar Frauen kennengelernt, die mir von einer Babytrage namens Manduca erzählten. Beides klang so einfach, so logisch, so praktisch! Und dann kam, kurz bevor die Geburt des kleinen Mäusles anstand, diese Sonderedition heraus ... Plum stripes. Eine pflaumenfarbene Manduca, mit gestreiften Details. Ich hab sie gesehen und war verliebt. Ich muss zugeben, ich hab die Trage einfach deswegen gekauft, weil sie so SCHÖN war! Als sie endlich ankam, musste ich sie auch SEHR lange streicheln ;o)

Ich hab die Kleine darin getragen etwa von der 8. Woche an. Sie war recht lang, darum ging das gut mit dem „eingebauten“ Neugeboreneneinsatz. Mich hat das Prinzip schnell überzeugt, das Mäusle hat sich supergerne tragen lassen. Herrlich. Zu Hause hab ich weiterhin das Tragetuch benutzt - es gab Zeiten, da hat die Kleine sofort zu weinen aufgehört, wenn sie nur gesehen hat, dass ich das Tuch hernehme! -, aber für unterwegs war die Manduca das Mittel der Wahl. Mir war unterwegs das fixe „Schlüpf und steck“ einfach sympathischer. Das Tragetuch ist zwar natürlich besser an den Körper von Tragling und Tragendem anzupassen, und kuschliger finde ich es auch, aber ich habe einfach ein Problem damit, Dinge, die über die Straße schleifen, in Reichweite meiner Kinder zu wissen … Darum hab ich das Tragetuch zu Hause neben dem Sofa aufbewahrt und die Manduca im Kofferraum des Autos. Außerdem hab ich mir eingebildet, dass es für das Kind auch besser ist, wenn es in unterschiedlichen Systemen getragen wird - so von wegen einseitiger Belastung und so … Relativ schnell hatte ich heraus, dass ich die Träger lieber überkreuzt trage, weil sie mir sonst seitlich in die Brust schneiden - für Frauen mit viel Holz vor der Hütt‘n kann ich das nur empfehlen. Ob beim Einkaufen, in der Stadt oder auf dem Weg zum Kindergarten - die Manduca hat uns immer treue Dienste geleistet. Ich hatte immer ein gutes Gefühl, gerade durch die Festigkeit des Materials hatte ich nie Sorge, dass ich das Kind „verlieren“ könnte. Auch das Tragen auf dem Rücken hatten wir bald heraus. Wenn wir unterwegs waren und sie fand nicht in den Schlaf - ab in die Manduca! Ankuscheln, Augen zu, und Mittagsschlaf. Sie war etwa ein Jahr alt, als wir die Rückentrage das erste Mal ausprobiert haben. Anfangs hat mein Mann sie hineingesetzt, aber nach einiger Zeit habe ich mir das auch allein zugetraut - wobei ich zugeben muss, dass ich bis heute, wenn jemand dabei ist, die Hilfe gern in Anspruch nehme ;o)
Letzten Herbst haben wir einen Familienausflug nach Berlin gemacht, und wir haben mit der damals 1,5 Jahre alten Kleinen auf den Buggy verzichtet, sondern nur die Manduca mitgenommen. Eine SEHR GUTE Entscheidung! Wir haben uns mit dem Tragen abgewechselt, wenn die Kleine nicht mehr laufen konnte oder wollte. Das hat uns im Berliner Nahverkehr deutlich flexibler gemacht, als ein Buggy. Nicht jede U-Bahnstation hat einen Aufzug, nicht jede Straßenbahn Niederflurwagen.

Und gerade auf dem Rücken kann ich sie auch immer noch, mit über zwei Jahren (sie wiegt jetzt 12 Kilo) ohne Probleme längere Zeit tragen. Das Tragetuch haben wir schon an die kleine Cousine ausgeliehen, aber die Manduca geben wir noch nicht her! Gerade am Nachmittag, wenn sie müde wird, aber nicht mehr schlafen will, kommt sie manchmal selbst an und meint: „A. Duca???“ Dann darf sie ein bisschen an Mamas Rücken kuscheln und ausruhen. Und dieser dankt es ihr, weil es für mich einfach viel angenehmer ist, als sie auf dem Arm durch die Gegend zu schleppen. Für mich hat die Manduca das Tragen zu einer Selbstverständlichkeit gemacht. Dafür sind die Kleine und ich meinen Freundinnen auch sehr dankbar!"