Donnerstag, 31. Oktober 2013

Zurück aus der Sommerpause - Gastblogging mit lilofee von "verstrickt und zugenäht"

Lange war es still hier. Aber so ist das, wenn das Leben im Sommer hauptsächlich draußen stattfindet, und die Familie zum Ende des Sommers größer wird. Jetzt ist die verlängerte Sommerpause allerdings vorbei, und nun wird in loser Folge hier wieder vom Tragen in allen möglichen Varianten, und allem, was sonst noch dazu gehört, erzählt.
Den Anfang macht heute lilofee von "verstrickt und zugenäht", die als 3fach Mama inzwischen einiges an Trageerfahrung vorweisen kann. Los geht's:

 "Bevor im Dezember 2008 mein erster Sohn geboren wurde, habe ich mir einen neuen Kinderwagen und ein Tragetuch gekauft. Den Kinderwagen, weil man für ein Baby ja wohl einen Kinderwagen braucht (so dachte ich), das Tragetuch auf Anraten der Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs. Es wurde ein gebrauchtes Hoppediz.
Als unser Sohn dann da war, habe ich das Tragetuch bald schätzen gelernt, da er starke Blähungen hatte und ich gemerkt habe, dass es ihm viel besser ging, sobald ich ihn in das Tuch gepackt hatte.
Ich kam mit dem Tuch gut zurecht, ließ mir in der Hebammenschule auch noch ein paar interessante Bindeweisen zeigen und trug meinen Sohn häufig. In der Stadt fand ich das praktisch und auch abends war er so manchmal dabei und schlief da auch recht gut.
Negativ fand ich, dass man immer erneut binden musste, sobald man das Kind einmal herausgenommen hatte. Vor allem unterwegs oft richtig blöd, weil man sich ja immer erst einen Fleck suche musste, an dem die Tuchenden auch Bodenkontakt haben durften. 


 
Als unser Sohn ca. 4 Monate alt war, sah ich bei einer Bekannten zum ersten Mal eine Manduca und war gleich sehr begeistert. Ich ließ mir die Adresse der Verkäuferin geben, lieh mir dort für eine Woche eine Manduca und einen ErgoCarrier aus und fand heraus, dass die Manduca für mich besser passte. Die Manduca hat den großen Vorteil, dass sie extrem einfach anzulegen ist, man nichts im Dreck hängen hat und dass die Schultern durch den Hüftgurt entlastet werden.
Nachteilig ist, dass das Baby nicht ganz so kuschelig angeschmiegt ist, wie im Tuch. Trotzdem hat mein Sohn darin immer auch sehr gerne und gut geschlafen.
Als mein erster Sohn 10 Monate alt war, wurde ich wieder schwanger und schon bald fand ich das Tragen vor dem Bauch nicht mehr angenehm. In der Manduca konnte ich aber noch sehr lange auf dem Rücken tragen. Ich fand es auch nie problematisch, das Kind alleine auf den Rücken zu kriegen. Manduca um, Kind auf den Wickeltisch setzten, Kind ran ziehen, nach vorne beugen, Manduca hochklappen, fertig.






Mein zweiter Sohn wurde im Juni geboren und es war extrem heiß, also habe ich mir ein Sommertragetuch gekauft. Dieses habe ich allerdings nach drei Mal benutzen sofort wieder verkauft – ich war überhaupt nicht begeistert, denn es ist anders gewebt als die normalen Tücher und somit so gut wie gar nicht elastisch. Bereits nach einer Stunde saß es total locker.
Mein zweiter Sohn musste außerdem aufgrund einer unreifen Hüfte eine Tübinger Schiene tragen und mit dieser fand ich das Tragen im Tuch generell nicht so angenehm. Also habe ich ihn von Anfang an in der Manduca getragen und für ihn und mich hat das perfekt gepasst. Meinen zweiten Sohn habe ich die ersten zehn Monate so gut wie ausschließlich getragen und es hat mir den Alltag wesentlich erleichtert, da ich immer die Hände für meinen Großen frei hatte, der ja mit 18 Monaten noch gar nicht so groß war.
Schöner Nebeneffekt war, dass die Hüfte des Kleinen bereits nach 6 Wochen perfekt ausgereift und der behandelnde Arzt sehr begeistert war und meinte, dass das viele Tragen einen sehr positiven Effekt gehabt hatte. 


 
Nun habe ich im Februar diesen Jahres eine Tochter bekommen und mir war von Anfang an klar, dieses Kind wird getragen. Letztes Jahr habe ich dann das JePorteMonBébé zum ersten Mal gesehen und es hat mir sehr gut gefallen, da es zwar ein elastisches Tuch ist, aber nicht so labberig, wie ich es von anderen elastischen Tüchern her kenne. Das Schöne an diesem Tuch ist, dass man es nicht jedes Mal nachbinden muss – absolut praktisch, wenn man unterwegs ist. Ich habe mir also schon vor der Geburt so ein Tuch gekauft. Auch wenn das letztlich Nebensache ist, finde ich obendrein die Designs bei diesem Tuch einfach wunderschön.
Der erste Trageversuch war dann eine Offenbarung! So einfach, so perfekt, so kuschelig, so angenehm… meine Tochter hat es sofort geliebt, ich ebenso. Es ist sehr bald ein zweites Tuch bei uns eingezogen, denn man muss das eine ja auch mal waschen.
Meine Tochter habe ich in den ersten Monaten rund um die Uhr getragen und ich hatte keine Rückenbeschwerden und fand es einfach nur toll. Den Kinderwagen hat meine Tochter bis heute genau 5 Minuten von innen gesehen. Das schreiende Häufchen Elend habe ich sofort wieder aus seiner misslichen Lage befreit und bis heute keinen weiteren Versuch mehr gestartet – das ist hier einfach nicht nötig.
An unsere Grenzen sind wir dann im Hochsommer gestoßen – bei schwülheißen 34°C war es im Tuch dann selbst mit Nackedei-Baby schlicht und einfach zu heiß und für diese Zeit sind wir wieder auf die Manduca umgestiegen. Da sie nicht ganz so eng anliegt, hat man da einfach mehr Luft. 
 



Mittlerweile wechsle ich ab, wenn es morgens ganz fix gehen muss, wenn wir den Großen zum Kindergarten bringen, dann schnalle ich schnell die Manduca um, wenn wir einen Spaziergang machen und ich möchte, dass die junge Dame gemütlich schlafen kann, dann kommt das Tuch zum Einsatz.

Auf dem Rücken trage ich nach wie vor gerne in der Manduca, sogar große Kinder kann man damit auf einem Ausflug mal ein Stückchen tragen, wenn die großen, aber ja doch noch so kleinen Füße nicht mehr tragen wollen. Auf dem Foto war mein Großer 3,5 und wog ca. 15 kg und ich konnte ihn in bergigem Gelände ohne Beschwerden 1,5 h tragen.



Mein Fazit: Das JPMBB ist für mich das bequemste Tragetuch aller Zeiten und gerade für die ersten Monate mit Baby ein Traum. Mein Hoppediz ist – obwohl auch nicht schlecht - schon längst der Schneiderschere zum Opfer gefallen, denn mit dem JPMBB konnte es einfach nicht mithalten. Der Kuschelfaktor ist ganz hoch, es ist supereinfach, ich würde sagen, es passt sicher mit jeder Figur, das Baby ist ganz nah…. So muss es für mich sein.
Für die späteren Monate ist für mich aber trotzdem auch eine gute Tragehilfe eine wichtige Alternative zum Tuch und so läuft es hier mit JPMBB und Manduca einfach perfekt.

Mein Mann ist übrigens mit den Tüchern nie so richtig warm geworden. Mit der Manduca hat er dagegen auch oft getragen.

Ich wohne übrigens in einer Stadt, in der man so gut wie keine Tragemama sieht und ich werde oft verwundert angeschaut und es meinte sogar eine Dame im Bus kürzlich mal zu mir, dass es ja bedauerlich sei, dass ich mir keinen Kinderwagen leisten könne…. ;). Ich finde das wirklich schade, denn ich denke, egal für welche Tragemethode man sich entscheidet und egal, ob man auch einen Kinderwagen haben möchte – das Tragen ist einfach eine so wundervolle Erfahrung. Man ist seinem Kind so nahe, so eins… es ist so wunderschön, ein kleines müdes Köpfchen auf die Mutterbrust sinken zu fühlen, einen kleinen Körper, der langsam weich und schwer wird, noch ein Stückchen näher, gleichmäßiges leises Babyatmen, ganz nah, ganz zufrieden, ganz sicher, völlig vertraut…. Dieses Gefühl sollte jede Mama erleben dürfen. Dieses Gefühl möchte ich gerne mein Leben lang konservieren. Diese Momente sind das größte Geschenk, das es gibt".




Montag, 17. Juni 2013

Gastblogging - heute: vom BabyBjörn zur Manduca mit Luci

... nein, keine Sorge, mir hat nicht die Sonne das Gehirn verbrannt, und auch Luci ist ganz sicherlich keine Verfechterin unergonomischer Tragehilfen, im Gegenteil.

Da dies hier aber eine umfassende Sammlung von Trageerfahrungen werden soll, dürfen auch die Tragehilfen, die eben nicht wirklich gut geeignet sind, nicht fehlen. Zumal, wenn sie, wie hier, den Beginn zweier wunderbarer Tragebeziehungen markieren. Aber das erzählt Luci nun selber:

"Als ich 2007 mit meiner großen Maus schwanger war, hatte ich mir überlegt, dass so eine Babytrage doch eigentlich sehr praktisch wäre. Die könnte ich immer im Auto dabeihaben, ich hätte das Kind nah bei mir und beim Einkaufen keinen sperrigen MaxiCosi im Wagen stehen. Darum hab ich mir, unbedarft wie ich war, zur Geburt der Maus einen BabyBjörn gewünscht. Oh Mann. Ich wusste einfach überhaupt nix übers Tragen (außer, dass man es kann) und war der Meinung gewesen, es gibt eben Tragetuch oder BabyBjörn. Auf den Gedanken, mal zu recherchieren, bin ich schlicht nicht gekommen. Und so viel Auswahl, wie heute gab es Ende 2007 auch noch nicht. Die Manduca zB folgte erst 2008.

Mit das Erste, was wir nach der Geburt im Krankenhaus von der Physiotherapeutin, die uns im Handling unterwiesen hat, gesagt bekamen, war: „Tragen ist super, aber nur, wenn die Spreiz-Anhock-Stellung gegeben ist!“ Na toll. Da hatte ich nun den BabyBjörn und war mir extrem unsicher, ob ich den überhaupt benutzen kann! (Um es gleich vorweg zu sagen: Wir HABEN im BabyBjörn getragen, aber nicht besonders viel. Zum einen, weil ich kein gutes Gefühl dabei hatte - mein Mann hatte, als die Maus etwas größer war, da weniger Bedenken -, zum anderen, weil ich ihn einfach schrecklich unbequem fand, weil das gesamte Gewicht des Kindes auf meinen Schultern hing ...) Aber dann hab ich zu meinem 30. Geburtstag ein Tragetuch bekommen. Den Klassiker von Didymos, in der allerlängsten Ausführung, sodass auch ich mit meinem Umfang die Wickel-Kreuz-Trage hinbekomme. Die Maus hat sich wohlgefühlt im Tuch, ich hab mich gut gefühlt mit dem Tuch - aber eben nur zu Hause. Auf einem schmutzigen, nassen Parkplatz (die Maus ist im November geboren, ich hab im Dezember Geburtstag) diese UNMENGEN Tuch um mich zu schlingen, ohne die Enden zu durchnässen, war mir schlicht nicht möglich. Vorbinden geht aber nicht mit klassischen Tragetüchern, und auch nicht in der Wickelkreuztrage. Darum hab ich die Große unterwegs fast gar nicht getragen, nur zu Hause, wenn sie Körperkontakt wollte und ich aber den Haushalt machen musste. Bis sie zu groß wurde, denn auf den Rücken binden hab ich mit dem Tuch einfach nicht hinbekommen. Getragen habe ich, bis sie etwa 2,5 Jahre alt war- meine Maus war schon immer recht groß und ich bin eher klein, irgendwann haben mich ihre Beine beim Laufen gestört ;o) Von der Möglichkeit einer Trageberatung hatte ich nie etwas gehört und in meinem Umfeld hat niemand sein Kind im TT auf dem Rücken getragen, der mir da den ultimativen Trick hätte zeigen können.

Und dann, 2010, wurde ich wieder schwanger. In der Zwischenzeit hatte ich mich mehr mit dem Tragen beschäftigt, zwei Freundinnen von mir schworen auf den ErgoCarrier - und ich hatte ein paar Frauen kennengelernt, die mir von einer Babytrage namens Manduca erzählten. Beides klang so einfach, so logisch, so praktisch! Und dann kam, kurz bevor die Geburt des kleinen Mäusles anstand, diese Sonderedition heraus ... Plum stripes. Eine pflaumenfarbene Manduca, mit gestreiften Details. Ich hab sie gesehen und war verliebt. Ich muss zugeben, ich hab die Trage einfach deswegen gekauft, weil sie so SCHÖN war! Als sie endlich ankam, musste ich sie auch SEHR lange streicheln ;o)

Ich hab die Kleine darin getragen etwa von der 8. Woche an. Sie war recht lang, darum ging das gut mit dem „eingebauten“ Neugeboreneneinsatz. Mich hat das Prinzip schnell überzeugt, das Mäusle hat sich supergerne tragen lassen. Herrlich. Zu Hause hab ich weiterhin das Tragetuch benutzt - es gab Zeiten, da hat die Kleine sofort zu weinen aufgehört, wenn sie nur gesehen hat, dass ich das Tuch hernehme! -, aber für unterwegs war die Manduca das Mittel der Wahl. Mir war unterwegs das fixe „Schlüpf und steck“ einfach sympathischer. Das Tragetuch ist zwar natürlich besser an den Körper von Tragling und Tragendem anzupassen, und kuschliger finde ich es auch, aber ich habe einfach ein Problem damit, Dinge, die über die Straße schleifen, in Reichweite meiner Kinder zu wissen … Darum hab ich das Tragetuch zu Hause neben dem Sofa aufbewahrt und die Manduca im Kofferraum des Autos. Außerdem hab ich mir eingebildet, dass es für das Kind auch besser ist, wenn es in unterschiedlichen Systemen getragen wird - so von wegen einseitiger Belastung und so … Relativ schnell hatte ich heraus, dass ich die Träger lieber überkreuzt trage, weil sie mir sonst seitlich in die Brust schneiden - für Frauen mit viel Holz vor der Hütt‘n kann ich das nur empfehlen. Ob beim Einkaufen, in der Stadt oder auf dem Weg zum Kindergarten - die Manduca hat uns immer treue Dienste geleistet. Ich hatte immer ein gutes Gefühl, gerade durch die Festigkeit des Materials hatte ich nie Sorge, dass ich das Kind „verlieren“ könnte. Auch das Tragen auf dem Rücken hatten wir bald heraus. Wenn wir unterwegs waren und sie fand nicht in den Schlaf - ab in die Manduca! Ankuscheln, Augen zu, und Mittagsschlaf. Sie war etwa ein Jahr alt, als wir die Rückentrage das erste Mal ausprobiert haben. Anfangs hat mein Mann sie hineingesetzt, aber nach einiger Zeit habe ich mir das auch allein zugetraut - wobei ich zugeben muss, dass ich bis heute, wenn jemand dabei ist, die Hilfe gern in Anspruch nehme ;o)
Letzten Herbst haben wir einen Familienausflug nach Berlin gemacht, und wir haben mit der damals 1,5 Jahre alten Kleinen auf den Buggy verzichtet, sondern nur die Manduca mitgenommen. Eine SEHR GUTE Entscheidung! Wir haben uns mit dem Tragen abgewechselt, wenn die Kleine nicht mehr laufen konnte oder wollte. Das hat uns im Berliner Nahverkehr deutlich flexibler gemacht, als ein Buggy. Nicht jede U-Bahnstation hat einen Aufzug, nicht jede Straßenbahn Niederflurwagen.

Und gerade auf dem Rücken kann ich sie auch immer noch, mit über zwei Jahren (sie wiegt jetzt 12 Kilo) ohne Probleme längere Zeit tragen. Das Tragetuch haben wir schon an die kleine Cousine ausgeliehen, aber die Manduca geben wir noch nicht her! Gerade am Nachmittag, wenn sie müde wird, aber nicht mehr schlafen will, kommt sie manchmal selbst an und meint: „A. Duca???“ Dann darf sie ein bisschen an Mamas Rücken kuscheln und ausruhen. Und dieser dankt es ihr, weil es für mich einfach viel angenehmer ist, als sie auf dem Arm durch die Gegend zu schleppen. Für mich hat die Manduca das Tragen zu einer Selbstverständlichkeit gemacht. Dafür sind die Kleine und ich meinen Freundinnen auch sehr dankbar!"



Freitag, 31. Mai 2013

Gastblogging - heute: das JPMBB mit Zwilli

Es kommen bald auch Beiträge zu anderen Tüchern und vor allem auch zu Tragehilfen, versprochen.
Bevor es aber soweit ist, heute ein neuer Gastbeitrag, diesmal von Zwilli, der es das französische Tuch ebenfalls besonders angetan hat.


Und bitte:
"Wir haben laaaange auf unser Urmelbaby warten müssen. Aber jetzt ist sie da – unser Sonnenscheinchen. Und als ich schwanger war stand fest: „Ich möchte tragen!“ Soweit so gut. Also hab ich mich umgeschaut und beraten lassen und ausprobiert – und war enttäuscht. Alle haben gesagt, das wäre sooo toll und so bequem und überhaupt. Nix war! Ich kam mit den Tüchern irgendwie nicht klar. Ich hab mich unsicher gefühlt und hatte dauernd das Gefühl das jeweilige Tuch wäre zu locker. So konnte ich mir ein Tragen absolut nicht vorstellen! Das war alles andere als bequem oder gar gemütlich! Ich war enttäuscht. Genau DAS hatte ich bei meinem Sohn vor 15 Jahren auch schon mal erlebt.
Vielleicht war ich ja zu doof dafür? Oder eben einfach keine Tragemama?

Aber dann bekam ich einen Hinweis – das Zauberwort hieß Je Porte Mon Bébé – oder einfach gesagt: JPMBB. Ich hab es ausprobiert – sozusagen als letzte Chance. Es war einfach toll – perfekt für mich! Es gab eine Zeit, da war sie von morgens bis abends im JPMBB, sozusagen eine Tuchbewohnerin.

Ich hab mit ihr im Tuch wirklich alles gemacht. Und sowohl sie als auch das Tuch haben problemlos mitgemacht. Ein Träumchen das Tuch – also jedenfalls für mich. Ich bin ganz begeistert und unser Urmelbaby auch. Wenn sie sieht, wie ich binde, kann sie ihre Arme und Beine gar nicht mehr still halten und zappelt vor Aufregung und Freude. Und selbst wenn es ihr wirklich mal so gar überhaupt nicht gut geht, dann ist das Tuch DIE Lösung.
Maximal 5 Minuten und es macht „plong“ an meiner Brust und mein Baby schläft (wenn sie sich nicht schon vorher angekuschelt hat). Ich liebe diese ganz besondere Nähe und das Gefühl von Vertrauen. Es ist für mich einfach nur unbeschreiblich schön. Das Tolle an dem Tuch ist für mich eben gerade die Elastizität, die dazu führt, dass es ganz eng am Körper liegt, nicht schlabbert, nicht leiert, sondern mein Kind optimal an mich bindet. Ich fühl mich einfach sicher damit. Ich muss nicht nachbinden oder nachziehen – es sitzt einfach. Eben genau das Gefühl, was mir bei den anderen gefehlt hat. Und ich konnte sie – obwohl sie so ein zartes Persönchen war und ist – vom ersten Tag an tragen. 
 

 ganz klein

 
 Und gar nicht mehr soooo klein...

Mein Mann hat sich einen Buzzidil zugelegt, um sie tragen zu können – den kann er jetzt, wo sie 7 ½ Monate alt ist, erst nutzen, einfach weil er für sie zu groß war bisher. Zum Glück für sie und ihn gibt es den Minibuzzidil, damit konnte er sie auch von Anfang an tragen – aber das musste Frau erst mal rausfinden und das ist dann wieder ein anderes Thema."

Dienstag, 23. April 2013

Gastblogging - heute: das JPMBB mit Jule

Und weiter gehts mit den Trageerfahrungen. Heute: das je porte mon bébé mit Jule

"Schon bevor ich das Tuch in der Hand hatte, habe ich von verschiedenen Leuten gehört, dass sie mit diesem elastischen Tragetuch sehr gut klar kommen und es den Kindern im Tuch auch gut gefällt. Für mein zweites Kind hatte ich mir vorgenommen, ein Tragetuch zu holen, welches für das Baby wahrscheinlich angenehmer ist in den ersten Monaten, als eine Tragehilfe. Die passt ja auch manchmal einfach nicht direkt vom Start weg.
Die Internet-Seite von JPMBB mit den Bindevideos fand ich auch schon sehr interessant - auch wenn ich kaum Französisch spreche.

Als ich dann das "je porte mon bébé" endlich zu Hause hatte  - dank Arlette inklusive eines Probetuchs - , stand ich erst einmal etwas verloren vor den 5,70m elastischem Tuch. Die ersten Bindeversuche mit der Buchanleitung waren schwierig, bzw. haben schlecht geklappt. Nachdem ich mir dann aber die Videos (auf deutsch) bei Youtube angeschaut habe, und dabei entsprechend mitgebunden, ging es nach mehrmaligem Üben schnell besser, ebenso dank einiger Tipps von Arlette via diverser Fotos und E-Mail. Und mein Sohn fühlte sich trotz einer ungeübten Mama schnell sehr wohl im Tuch.

Mittlerweile ist mein Sohn drei Monate alt und liebt das Tuch. Und ich auch! Das Binden dauert gar nicht mehr lange, und er kann schnell hineingesetzt werden. Besonders beliebt, wenn er unruhig ist, oder wenn ich Sachen machen muss, für die ich zwei Hände benötige. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, und keinen Kinderwagen dabei habe, dann binde ich das Tuch schon vorher zu Hause. Nach der Autofahrt wird mein Sohn noch im Auto ins Tragetuch gesteckt, Jacke drüber und schon kann es losgehen. Ideal also auch bei niedrigen Temperaturen! Und garantiert friert er darin nicht. Demnächst fahren wir ein paar Tage in den Urlaub und es kommt kein Kinderwagen mit, weil sonst nicht alles ins Auto passt. Aber ich weiß jetzt schon, dass wir den Kinderwagen nicht vermissen werden, weil wir ja das JPMBB dabei haben. Und damit kann man wunderbar ausgedehnte Spaziergänge machen!


Mein Fazit:
Ich würde immer wieder ein Tragetuch, und speziell ein JPMBB nehmen. Wenn man die Bindetechnik raus hat, dann ist es einfach ideal, man hat beide Hände frei und kann damit z.B. immernoch mit dem älteren Geschwisterkind etwas machen. Und das Kind fühlt sich im JPMBB sehr wohl und kann dort auch zur Ruhe kommen, weil es von der Umwelt abgeschirmt und geschützt ist."

Donnerstag, 11. April 2013

Das JPMBB und ich

Das JPMBB, oder auch liebevoll der Franzosenstretch und ich, wir haben eine innige Beziehung. Ohne dieses Tuch wäre das mit dem Tragen im Tuch und mir wohl nichts geworden, auch nicht bei Kind 2. 



 DAS ist meine aktuelle Lieblingsfarbe *hach*

Bei Kind 1 hatte ich keine Ahnung von gar nichts und habe nur durch Zufall einen Bondolino von einer Freundin übernommen. Meine Tochter hat das Ding geliebt und ich habe sie getragen, bis ich mit dem zweiten Kind schwanger wurde. Schon da war klar: Das will ich wieder, das mit dem Tragen - aber diesmal von Anfang an.
Dass für Neugeborene ein Tragetuch das Mittel der Wahl ist, wusste ich auch schon. Nur:
Ein klassisch gewebtes Tuch kam irgendwie nicht in Frage. Das hatte zugegebenermaßen auch sehr eitle Gründe. Beim Kinderwagen wird auch immer großer Wert drauf gelegt, dass er nicht nur praktisch ist, sondern auch gefällt, also warum soll ich bei einem Tuch, das ja direkt an mir dran ist, Abstriche machen? Ich fand die Tücher, die ich kannte, alle nicht passend für mich. Ich mag keine klassischen Inkastreifen oder afrikanischen Muster oder Batiken an mir. Es gibt Frauen, zu denen passt das; ich sehe damit einfach nur verkleidet aus. Dass es viel mehr gibt als das, wusste ich ganz einfach nicht. Außerdem war mir die Erinnerung an meinen ersten Versuch mit einem gewebten Tuch, das mir eine Hebamme in der Elternschule mit den Worten „Probier das mal“ in die Hand drückte, in nachhaltig schlechter Erinnerung geblieben. Ich kam null klar, auch nicht mit der Bindeanleitung, ich sah aus wie eine Mumie im Anfängerwickelkurs und hatte nicht den leisesten Schimmer, wohin nun mit dem Baby und wo ich wie hätte festziehen und nachstraffen müssen. Tuchidiotin, ganz klar.

Trotzdem, im Frühsommer 2011 war mir sehr klar, ich will ein Tuch. Ich will das anders haben.
Und dann hat mir eine Freundin DAS Tuch empfohlen. Das „Je porte mon bébé“ aus Frankreich. Dehnbar, schlicht, stylish und preislich absolut in Ordnung. In wunderschönen Farbkombinationen. Ich war hin und weg und hatte ohnehin noch einen Wunsch anlässlich der Geburt frei. Im Herbst war es dann da, und ich hab mich direkt beim Auspacken verliebt. Der Stoff war weich, trotzdem fest, kein bisschen labberig, Das Tuch war hinreichend schwer und fasste sich richtig gut an. Genau meine Welt. Von Trageberatung hatte ich zu dem Zeitpunkt allerdings immer noch nichts gehört, sonst hätte ich in jedem Fall eine gemacht. Glücklicherweise hat der Hersteller wirklich tolle Videoanleitungen auf seiner Homepage, sodass ich etwa nach dem zwanzigsten Mal ansehen auch kapiert hatte, wie das geht. Anfangs habe ich mit dem Stoffelch meiner Tochter geübt, und dann war er da, der große Tag: Tuch vorbinden und Baby hineinsetzen. Ich war hypernervös und innerlich auf Gebrüll und Protest gefasst. Den gab es auch, aber nur, bis ich den Knoten nachjustiert und die Stoffbahnen aufgefächert hatte. 
Wilhelma im März 2012 - 7 Monate und so neugierig


Ungefähr fünf Minuten später schlief das Kind. Für Stunden. Und ich hatte nix – keine Verspannungen, keine Rückenschmerzen, keine Narbenschmerzen am Bauch, keine Angst, dass mir der Winzling da rausrutscht oder erstickt oder ich irgendwas einklemme oder abschnüre. Es war schlicht perfekt, und das blieb bis zum Ende unserer Tragezeit auch so. Ich weiß nicht, wie oft ich das Tuch gewaschen habe, ohne dass es sich irgendwie verändert hätte. Mein Baby hat monatelang quasi in diesem Tuch gewohnt, und ich musste lediglich ein- oder zweimal pro Tag nachbinden. In nachhaltiger Erinnerung blieb mir (und, wie ich mir habe sagen lassen, auch meinen BegleiterInnen) ein Tagesausflug in der Stuttgarter Wilhelma, während dem ich die Kleine etwa sechs oder sieben Mal aus dem Tuch gehoben und wieder in das Tuch gesetzt habe, ohne mich auch nur einmal zu verheddern. Auch das Stillen unterwegs geht mit dem „Je porte mon bébé“ sehr einfach und diskret. Ich habe das JPMBB als echte Alternative zum gewebten Tuch und bei uns auch als Kinderwagenersatz erlebt, und mir tut bis heute nur leid, dass ich mich nie getraut habe, damit auch auf dem Rücken zu tragen. Da ich inzwischen auch zwei Fortbildungen zur Trageberaterin gemacht habe und aktuell mein drittes Kind erwarte, bin ich zuversichtlich, dass ich diese Erfahrung auch noch machen werde. 

 

Samstag, 30. März 2013

Manduca mit MUDDI und jetzt auch mit Fotos

... weil mit Foto alles schöner wird, hier nochmal der Beitrag von Muddi, jetzt auch mit Bildern.

"Unseren Großen habe ich damals leider nicht getragen. Ich kannte mich nicht aus, eine Freundin hat mir einen BabyBjörn mitgebracht. Der war mir so dermaßen suspekt, das ich das gelassen habe. Zum Glück. Durch Freundinnen habe ich beim zweiten Kind von der Manduca erfahren und wir haben sie geliebt. Der Mini hat quasi darin gewohnt. Ich habe mir damals auch ein Tuch zeigen lassen, aber entweder war die Beratung zu schlecht oder ich zu dusselig, ich hab es nicht hinbekommen. Die Manduca ist einfach, man merkt sehr gut, ob alles gut sitzt oder nicht, es gibt gefühlte 80 Möglichkeiten, etwas zu verstellen. Der Mini war viel in der Manduca. Der riesengroße Vorteil war einfach, das ich mit dem Junior rennen, klettern und rutschen konnte und trotzdem den Mini immer bei mir hatte. Ich brauchte keinen Kinderwagen beaufsichtigen, ich konnte überall mit hin. Das hat mit zwei so kleinen Kindern (Abstand 25 Monate) unheimlich viel Freiheit und Spaß ermöglicht. Einen wirklichen Nachteil kann ich nicht nennen. Der Mini war von Anfang an sehr groß und schwer, ein zarteres Baby wäre anfangs in einem Tuch sicherlich besser aufgehoben. Aber das war hier wie gesagt kein Problem. Der Mini hat sich immer sehr wohl gefühlt, hat neugierig die Gegend betrachtet oder direkt wieder geschlafen. Diese Nähe zum Kind ist einzigartig und einfach wunderschön.

Ich habe lange getragen, da hatte der Mini schon gute 13 kg. Ich habe bis auf einen einzigen Ausflug immer vor dem Bauch getragen. Ich bin bekennende Glucke und wollte mein Kind sehen können. ;o) Durch die gute Einstellung der Tragehilfe hatte ich nie Rückenprobleme. Wenn mal was verspannte, habe ich etwas an den Gurten verstellt und alles lief wieder rund. Die Manduca war auch einfach praktisch mitzunehmen, als der Mini schon laufen konnte. Ich hab sie einfach immer umgebunden und wenn er kaputt war oder ich entschieden hatte, das der Trotzkopf nun mal kurz "gesichert" wird, kam er in die Manduca und weiter ging es.
Die Nähe, die Freiheit, das Vertrauen - das sind für mich die einzigartigen Vorteile des Tragens. Hier war es die Manduca, die uns begleitet hat über fast 2 Jahre. Ich freue mich darauf, beim nächsten Kind ein Tuch zu probieren. Dieses Mal mit fachkundiger Beratung."

Mittwoch, 27. März 2013

Gastblogging - heute: die Manduca mit MUDDI


Ich bin begeistert. Wie ich ja schon angemerkt hatte, möchte ich eigentlich ein möglichst umfangreiches Archiv an Trageerfahrungen zusammentragen. Tragen ist ein so individuelles Ding, dass es nicht schaden kann, möglichst viele verschiedene Meinungen und Erfahrungen zu kennen. Das macht mich in meiner Arbeit sicherer, es erweitert meinen Horizont und bewahrt mich hoffentlich vor dem gefürchteten Dogmatismus ;o)

Aber ich kann unmöglich selber alles testen und probieren, was der Markt so hergibt. Es passt auch einfach nicht alles für mich und zu uns, und so bin ich froh und glücklich, mit ein paar sehr guten Freundinnen und vielen Bekannten sehr viel Trageerfahrung im Hintergrund zu haben. Was liegt näher, als die versammelten Mamas schlicht selbst um ihre Trageerfahrungen zu bitten? Den Anfang macht heute Sarah von MUDDIs mit ihren Erfahrungen.

Vorhang auf:


"Unseren Großen habe ich damals leider nicht getragen. Ich kannte mich nicht aus, eine Freundin hat mir einen BabyBjörn mitgebracht. Der war mir so dermaßen suspekt, das ich das gelassen habe. Zum Glück. Durch Freundinnen habe ich beim zweiten Kind von der Manduca erfahren und wir haben sie geliebt. Der Mini hat quasi darin gewohnt. Ich habe mir damals auch ein Tuch zeigen lassen, aber entweder war die Beratung zu schlecht oder ich zu dusselig, ich hab es nicht hinbekommen. Die Manduca ist einfach, man merkt sehr gut, ob alles gut sitzt oder nicht, es gibt gefühlte 80 Möglichkeiten, etwas zu verstellen. Der Mini war viel in der Manduca. Der riesengroße Vorteil war einfach, das ich mit dem Junior rennen, klettern und rutschen konnte und trotzdem den Mini immer bei mir hatte. Ich brauchte keinen Kinderwagen beaufsichtigen, ich konnte überall mit hin. Das hat mit zwei so kleinen Kindern (Abstand 25 Monate) unheimlich viel Freiheit und Spaß ermöglicht. Einen wirklichen Nachteil kann ich nicht nennen. Der Mini war von Anfang an sehr groß und schwer, ein zarteres Baby wäre anfangs in einem Tuch sicherlich besser aufgehoben. Aber das war hier wie gesagt kein Problem. Der Mini hat sich immer sehr wohl gefühlt, hat neugierig die Gegend betrachtet oder direkt wieder geschlafen. Diese Nähe zum Kind ist einzigartig und einfach wunderschön.

Ich habe lange getragen, da hatte der Mini schon gute 13 kg. Ich habe bis auf einen einzigen Ausflug immer vor dem Bauch getragen. Ich bin bekennende Glucke und wollte mein Kind sehen können. ;o) Durch die gute Einstellung der Tragehilfe hatte ich nie Rückenprobleme. Wenn mal was verspannte, habe ich etwas an den Gurten verstellt und alles lief wieder rund. Die Manduca war auch einfach praktisch mitzunehmen, als der Mini schon laufen konnte. Ich hab sie einfach immer umgebunden und wenn er kaputt war oder ich entschieden hatte, das der Trotzkopf nun mal kurz "gesichert" wird, kam er in die Manduca und weiter ging es.
Die Nähe, die Freiheit, das Vertrauen - das sind für mich die einzigartigen Vorteile des Tragens. Hier war es die Manduca, die uns begleitet hat über fast 2 Jahre. Ich freue mich darauf, beim nächsten Kind ein Tuch zu probieren. Dieses Mal mit fachkundiger Beratung."


Danke, Sarah. Und auf die Beratung freue ich mich jetzt schon.


Montag, 25. März 2013

Wieder schlauer

... bin ich nach dem Besuch des Aufbaukurses der Trageschule Dresden vergangene Woche in Hamburg. Wir haben eine Menge Spaß gehabt, gebunden, bis uns Hände und Arme lahm waren, uns über harte Puppennasen geärgert, in Bahnen verheddert und mit Knoten vertan. Und sind mit einer Menge neuer Tricks und Kniffe, insbesondere zum Thema Rückentrageweisen, wieder nach Hause gefahren um hoffentlich viele viele Eltern vom und fürs Tragen begeistern zu dürfen.

Wenn ich noch einen Beweis gebraucht hätte, dass sich eine Trageberatung immer lohnt, ich hätte ihn bei diesem Seminar bekommen. Es ist ein bißchen, wie mit dem Autofahren. Wer sich ein neues Auto kauft und die Bedienungsanleitung liest, kann deshalb noch lange nicht im Straßenverkehr bestehen. Komischerweise beschwert sich niemand, dass der Führerschein für sich auch Geld kostet und es den nicht gratis zum Auto dazu gibt. Nunja.

Hier wird in der nahen Zukunft jedenfalls einiges passieren. Neben Bilderstrecken zu verschiedenen Trageweisen hatte ich ja ohnehin vor, sukzessive diverse Tragehilfen und Tücher vorzustellen. Da ich alleine aber ja nicht Erfahrung mit allem und jedem habe(n kann), habe ich eine ganze Horde anderer Tragemütter nach ihren Erfahrungen gefragt und werde sie alle in den kommenden Wochen zu Wort kommen lassen. 

Den Anfang macht die nächsten Tage Muddi von MUDDIs. Sie wird über ihre Erfahrungen mit der Manduca erzählen. Ich freu mich schon.

Euch allen einen sonnigen Start in die neue Woche.


Montag, 11. März 2013

Warum ich Dogmen und Ideologien nicht mag

Puh, schon wieder so viel Zeit vergangen. Ich habe mir so viele Dinge für die vergangenen Monate vorgenommen, die ich dann aber bisher aus verschiedenen mehr oder weniger guten Gründen nicht umgesetzt habe. Aber jetzt im Frühling wird sicher alles besser.

Übernächste Woche besuche ich den Aufbaukurs der Trageschule Dresden - stattfindend in Hamburg - und ich freu mich schon sehr drauf. In jüngster Zeit habe ich mich noch intensiver mit allen möglichen Varianten von Tragehilfen und Tüchern beschäftigt, als ohnehin schon. Der Markt wird quasi monatlich größer, und immer wieder zeigt sich, dass es weder DAS Tuch, noch DIE Babytrage gibt. So, wie jeder Mensch individuell ist, so passt auch nicht für jeden das gleiche Tuch oder die gleiche Trage. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein.
Ist es augenscheinlich nicht. Da tun sich manchmal Abgründe auf. Mir ist aus dem Grundkurs noch sehr deutlich in Erinnerung geblieben, dass es Aufgabe einer Trageberaterin ist, didaktisch mit den Eltern zu arbeiten, sie zum Tragen zu ermutigen und ihnen den sicheren Umgang mit der gewählten Trageform zu ermöglichen. Es ist NICHT Aufgabe der Trageberatung, die Eltern für die Wahl des Tuches oder der Tragehilfe zu kritisieren, sofern selbige die Anforderungen an die physiologisch korrekte Haltung erfüllen. Und ja, es gibt natürlich Tragehilfen, die nicht taugen. Weil sie einfach nicht so konzipiert sind, dass der Tragling in der ergonomisch wichtigen Spreiz-Anhock-Haltung sitzt. Es gibt Tücher, die taugen eher als Vorhang, denn als Tragetuch. Weil sie von der Webart her nicht den Anspruch erfüllen, den man an ein Tragetuch stellen muß. Egal, ob elastisch, dehnbar, oder klassisch. Das darf man auch sagen. Aber - es ist NICHT Aufgabe der Trageberatung, sich ein Urteil über die Wahl, die die Eltern getroffen haben, anzumaßen. Ich hoffe, das werde ich in der täglichen Arbeit nie vergessen.
Klar, ich habe auch meine Vorlieben, und es gibt Tücher, mit denen trage ich lieber, als mit anderen, und Tragen, die liegen mir mehr, als andere. Das ist aber meine Privatmeinung, die sich aus meinen eigenen Erfahrungen, meiner Statur, der Statur meiner Kinder zusammensetzt. Das kann die Nachbarin zwei Stockwerke höher ganz anders sehen, und seit wann geht es in diesem Zusammenhang ums Rechthaben?

Wenn man sich dann manchmal durchs weltweite Netz klickt, und Kritiken über Tücher oder Tragehilfen liest, oder hanebüchene Begründungen, wieso die Trage XYZ frühestens ab dem Sitzalter geeignet sei, und das Tuch ABC ganz bestimmt einschneidet, oder leiert, oder Nackenschmerzen verursacht, und deshalb nicht taugt, dann vermisse ich manchmal ein wenig Sachlichkeit und finde, dem ganzen Thema täte etwas weniger Aufgeregtheit und missionarischer Eifer gut.
Ja, für ganz neugeborene Babys ist ein Tuch das Utensil der Wahl. Wenn Eltern sich damit aber nicht sicher fühlen, oder mit dem Binden überfordert sind, oder einfach kein Tuch wollen - dann ist eine korrekt angelegte Tragehilfe besser, als ein nicht sitzendes oder nicht erwünschtes Tuch. Und das zu entscheiden, ist ganz alleine Sache der Eltern. Wenn ein Tuch dem Tragenden Schmerzen verursacht, dann ist es in aller Regel einfach nicht richtig gebunden. Wenn eine Tragehilfe unbequem erscheint, oder umständlich in der Handhabung, oder dem Tragenden ein Gefühl der Unsicherheit gibt, dann ist es für dieses Elternteil einfach nicht die passende. Ich finde den Ton, in dem so manches Mal geurteilt wird, und in dem Meinungen als Tatsachen verkauft werden, oft unerträglich dogmatisch und ideologisch verfärbt. Beide liegt mir nicht und lag mir nie. Ich hab es lieber mit Fakten, zum Meinung bilden ist der Mensch meist selbst gut in der Lage.

Als  Frühjahrsprojekt habe ich mir für den Blog vorgenommen, Erfahrungsberichte über die Tragehilfen und Tücher zu verfassen, die ich im Shop vertreibe. Und damit meine ich ausdrücklich NICHT, dass es neben den von mir angebotenene keine gibt, die taugen.

Ich wünsche einen schönen Wochenstart und uns allen endlich Frühling.